Wie ich versuche, Autorin zu sein – mit Kind, Chaos und tanzenden Buchstaben
Ich weiß nicht, wie du so schreibst. Aber bei mir sieht’s meistens so aus: Ich sitze am Tisch, irgendwo zwischen halbleerem Kaffeebecher, vollen Windeln und einem Kind, das beschlossen hat, heute mal alle Schubladen aufzumachen – gleichzeitig.
Und trotzdem schreibe ich. Nicht immer viel. Manchmal einfach nur drei Sätze. Manchmal nur einen Gedanken in die Notizen-App, bevor ich wieder meinem Kind sagen muss, dass es die Katze in Ruhe lassen soll. Aber ich schreibe. Weil es ohne nicht geht. Weil es mein Leben ist.
Buchstaben, die tanzen – Ich bin Legasthenikerin und schreibe trotzdem
Ich hab als Kind nie kapiert, warum Lesen bei anderen so easy aussah. Und bei mir?
Die Buchstaben haben gezittert. Haben sich verdreht, vermischt, manchmal sogar mich frech angegrinst, um zu sagen: Sophie, lass es einfach bleiben. Ich wusste nicht, was Legasthenie ist. Ich wusste nur: Lesen ist anstrengend. Schreiben auch. Aber hey – Fantasie hatte ich genug. Ich habe Welten gebaut. Mit Skizzen, mit kleinen Geschichten, mit allem, was irgendwie raus musste.
Meine Geschichten waren zwar voller Fehler. Aber sie waren meine. Entstanden aus einer inneren Welt.
Spoiler: Ich kann heute noch nicht fehlerfrei schreiben. Na und?
In der Ausbildung zur Mediengestalterin wurde ich zerlegt, weil ich eine E-Mail mit Rechtschreibfehlern verschickt hatte. „Stellst du dich so dumm, oder bist du es wirklich, Sophie?“ Joa. Ob das was mit Dummheit zu tun hat?
Heute gibt’s ChatGPT, Grammarly, Duden Korrektor – pick dir einen raus. Es kann helfen sich nicht zu sehr auf die fehler zu konzentrieren, sondern auf das was wirklich wichtig ist: Das Schreiben! Perfekt ist für andere. Echt ist für mich.
Mama sein – die Bremse im Kreativmodus
Seit ich Mama bin, hat sich mein Leben in ein Jump’n’Run verwandelt.
Manchmal schaffe ich den Endgegner (Mittagsschlaf), manchmal verliere ich schon beim Start (Zahnen, Fieber, alles auf einmal).
Schreiben mit Kind? Lass mich dir sagen, wie das klingt: klack klack klack – MAMAAAAA – klack – NEIN NICHT DA HIN – klack – waaaaaaahhhhhh!!!!
Ich liebe mein Kind. Aber Schreiben, wenn sie wach ist? Selten. Sie hört das Tippen und denkt, es ist ein Duett. Sie will mitschreiben. Mitklettern. Mittendrin sein. Und das fucked mich oft ab, auch wenn sie süß ist.
Ich hab ADHS, bin hochsensibel – und höre Beats gegen den Wahnsinn
Klingt romantisch? Ist es nicht. Ich hab ADHS. Hochsensibilität. Und ein verdammt volles Leben.
Konzentration ist bei mir keine Selbstverständlichkeit – sie ist ein Luxus. Also helfe ich mir. Mit binauralen Beats im Ohr, Kopfhörern auf Anschlag und dem festen Vorsatz:
„Du schreibst jetzt. Kein Scrollen. Kein Aufräumen. Kein Instagram.“
Manchmal klappt’s. Manchmal nicht. Aber es ist der Versuch, der zählt.
Hier habe ich euch mal eine kleine Playlist zum Konzentrieren verlinkt.
Die Nächte gehören mir. (Wenn ich nicht auf der Couch einschlafe.)
Ich schreib meistens abends. Wenn’s ruhig wird. Wenn mein Kopf endlich wieder meiner ist.
Oft bin ich hundemüde. Manchmal zwing ich mich wach zu bleiben, um am nächsten Tag mit angeschwollenen Augen und Kopfschmerzen aufzuwachen. Ich sitz da, starr auf den Bildschirm, mein Dokument, in dem ich die Rohfassung meines Buches gespeichert habe – und dann: ein Satz. Zwei. Zehn.
Oder manchmal gar keiner.
Dann lese ich wenigstens das, was ich bereits geschrieben habe. Manchmal ist das schon genug. Denn Schreiben heißt nicht immer: Neuschöpfung. Manchmal ist es nur: Dranbleiben.
Trotz Blockaden weiterschreiben – Wie ich es schaffe in meinem kreativen Flow zu bleiben
Ich hab keinen Plan. Aber ich hab einen verdammt guten Grund.
Ich hab mir vorgenommen: Zwei Seiten am Tag zu schreiben. Klingt machbar, oder? War’s auch am Anfang. Für ’ne Woche. Aber dann spielt das leben mir wieder Streiche: Kind krank. Ich krank. Familie. Müdigkeit. PMS. Das volle Mama-Programm.
Ich hab mich noch nie so schlecht gefühlt. Weil ich dachte: Ich halte nichtmal eine Woche durch, wie soll ich es dann schaffen mein eigenes Buch zu veröffentlichen?
Ich dachte, ich muss funktionieren. JEDEN TAG! Müsste schreiben. Müsste endlich mein Buch fertig haben.
Aber hier ist der Punkt:
Ich mach das nicht gegen mein Leben. Ich mach das MIT meinem Leben. Und das heißt, dass mein leben mir auch manchmal Ruhephasen, auch wenn sie gezwungener Maßen entstanden sind, auflegt.
Wenn du auch Mama bist und schreiben willst: Lies das
Du brauchst keinen perfekten Plan. Du brauchst keinen Schreibtisch im Loft.
Was du brauchst ist der Wille dran zu bleiben, egal wie lange du brauchst, um dein Werk zu vollenden. Und das wichtigste was du benötigst. Ein bisschen Wahnsinn – ohne ein wenig durchzudrehen macht das Leben doch keinen Spaß. XD
Hier ist, was mir hilft:
- Erwarte nicht zu viel. Ein Satz ist besser als kein Satz.
- Diktiere Ideen, wenn du keine Hände frei hast. Dein Handy kann mehr als nur Instagram zu öffnen.
- Nimm dir Auszeiten. Auch wenn’s nur zehn Minuten sind.
- Vergiss Perfektion. Die Geschichte ist wichtiger als der Kommafehler.
- Und denk dran: Schreiben ist ein Marathon mit Babytrage. Wenn du dich dran gewöhnst, wird es leichter.
Fazit (falls du sowas brauchst):
Ich bin nicht perfekt.
Ich bin nicht immer produktiv.
Ich bin müde, oft genervt, meistens überfordert – und trotzdem schreib ich.
Weil ich nicht anders kann.
Weil ich meine Stimme gefunden hab – irgendwo zwischen Spielplatz, Kopfhörer und Tastatur.
Und wenn ich das kann, kannst du das auch.
Punkt.





